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Archivgeschichte



Die finanzielle Situation in den Gemeinden und Städten ist zur Zeit gewiss alles andere als "rosig". Der Auftrag, ein Archiv zu führen oder gar erst ein solches zu schaffen, wird leider immer wieder ganz hinten in der Prioritätenliste angestellt. Solche Fragen wie "Was bringt uns ein Archiv?", "Wozu brauchen wir ein Archiv?" werden in Zeiten leerer Kassen immer öfters laut. Diese Aufgabenerfüllung der Gemeinden ist im Art. 13 BayArchivG in Verbindung mit Art. 57 Abs. Satz 1 GO hinreichend geregelt, ob dies immer so konsequent umgesetzt wird - oder werden kann -, ist von Gemeinde zu Gemeinde verschieden.

Um so erfreulicher ist es, dass es auch in der Zeit der "knappen Haushaltsmittel" Gemeinden und Städte gibt, bei denen Archive erweitert und sogar erst neu geschaffen werden.
Die Große Kreisstadt Schwandorf, mit fast 29.000 Einwohnern, hat sich dieser Herausforderung, beginnend bereits im Jahre 1998, gestellt und konnte mit dem Bezug des Stadtarchivs im Jahre 2004 ein leidiges Kapitel ihrer Geschichte zum Positiven wenden.

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Die Ausgangssituation

In den Jahrzehnten vor 1998 wurden von Seiten der Stadt Schwandorf immer wieder Kolleginnen und Kollegen aus der Verwaltung mit der Führung und vor allem dem Aufbau des Stadtarchivs betraut. Dies erwies sich jedoch als nicht praktikabel, da, wenn innerhalb der Stadtverwaltung Not am Mann oder an der Frau herrschte, eine Stelle in der Verwaltung zu besetzen war, in regelmäßigen Abständen auf die Kraft aus dem Stadtarchiv zurückgegriffen wurde. Ein Hauptverantwortlicher für den Bereich Registratur/Archiv über einen längeren Zeitraum war somit nicht installiert.

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Erneuter Versuch 1998

Mitte 1998 wurde wieder einmal ein Verantwortlicher für den Bereich Archiv und Registratur eingestellt. Die umfangreichen Bestände konnten jedoch nicht ordnungsgemäß übergeben werden, da zum einen kein Bestandsverzeichnis vorhanden war, zum anderen die riesigen Bestände unzureichend gelagert und auf insgesamt 27 Räume verteilt waren. Zu allem Überfluss erstreckten sich diese Räumlichkeiten auf drei verschiedene Häuser. Ein Gebäude war sogar ca. 10 km vom Rathaus entfernt. In mühevoller und oft auch schmutziger Kleinarbeit wurde nun versucht, diese "Aktenberge" zu sichten, zu sortieren und letztendlich fachgerecht zu archivieren.
Als Hilfsmittel für die wenigen Archivbenutzer gab es ein Findbuch mit ca. 300 Seiten. Dieses Buch war unterteilt in die Buchstaben A - Z. So steht z. B. unter A "Anbau der Kirche", unter E "Erweiterung der Kirche", aber auch unter K "Kirche, protestantisch, Neubau". Eine gezielte Suche war nicht oder nur mit großem Aufwand möglich. Das Findbuch umfasst Akten von ca. 1870 bis 1945. Eine der ersten Aufgaben war es, die Eintragungen mit der Festlegung der Laufzeit der einzelnen Akten und Aufnahme der "Darin"- und "Enthält"-Vermerke zu ergänzen. Das Repertorium konnte ziemlich schnell über EDV erfasst und somit auch gezielt ausgewertet werden. Die einzelnen Akten waren gespickt mit verrosteten Klammern und Eisenteilen, auch hier mussten per Hand einige tausend Blätter von diesen für jedes Archiv schädlichen Begleiterscheinungen befreit werden. Diese Akten lagerten in viel zu kleinen Pappboxen. Ein Großteil des Aktenmaterials hat das Format "Folio", die Boxen waren aber nur bis DIN A 4 ausgelegt. Das obere Drittel der Akten wurde kurzer Hand umgeknickt und in die vorhandenen Schachteln gepresst. Im Laufe der letzten Jahre konnten durch viel "Überzeugungsarbeit", aber auch durch die Mithilfe des Staatsarchivs Amberg, z.B. säurefreie Archivdeckel und säurearme Archivschachteln beschafft werden. Gleichfalls war bei der Planung der Archivräume (Magazin, Besucherraum und Büros der Beschäftigten) das Staatsarchiv beteiligt. Eine finanzielle Unterstützung bei der Ausstattung des Magazins durch den "Kulturfond Bayern" erleichterte die Klimmzüge der Stadt Schwandorf, was die Finanzierung dieses Projekts betraf.

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Was war vor 1870?

Eine Stadt mit einer mehr als 1000-jährigen Geschichte besitzt Aktenmaterial beginnend seit Ende des 19. Jahrhunderts, dies ist wahrlich schwer zu glauben. Der erste gesicherte Hinweis auf Schwandorf ist frühestens um das Jahr 1006 zu datieren, als "Warmunt, ein adeliger Ministeriale des Abtes Richolf von St. Emmeram in Regensburg, anlässlich des Klostereintritts seines Sohnes diesem Konvent eine Hube am Naabfluss in Suainicondorf schenkte". (1)
Diese Vermutung des Nichtvorhandenseins geschichtlicher Unterlagen wird auch durch einen Bericht des Reichsarchivsekretärs Heigel aus München, welcher im Jahre 1876 die Oberpfalz besuchte und über das Stadtarchiv Schwandorf Folgendes zu berichten wusste, untermauert: "Hier sah ich noch den Platz, wo einst ein kleines städtisches Archiv untergebracht war, - die Archivalien selbst wurden vor einigen Jahren an einen Buchbinder verkauft. Nur ein Transsumtlibell über die Freiheitsbriefe der Stadt 1299 - 1650 und ein paar ältere Salbücher sind noch vorhanden." (2)
Gab es wirklich keine Bestände vor 1870? In vielen "Aktenhaufen", welche mit Schnüren zusammengebunden waren, lagerten interessante Einzelstücke, so z.B. - der Berichterstattung Heigels entsprechend - drei Salbücher, deren Eintragungen um das Jahr 1590 beginnen. Auch umfangreiche Rechnungsbände (älteste Rechnung 1599) konnten gefunden - oder besser: wieder gefunden - werden.

Heute im Jahre 2011 kann die Stadt Schwandorf auf ein Archiv mit zur Zeit ca. 40.000 Einzelarchivalien stolz sein. Das älteste Stück, eine Urkunde aus dem Jahre 1452, steht am Anfang einer Reihe von derzeit 15 Findbüchern. Ein Findbuch ist nach einer Registraturordnung des 19. Jahrhunderts aufgebaut. So kann man unter "Titel I Königliches Haus und auswärtige Souveraine" unter Nr. 1 etwas über die Durchreise Ihrer Majestäten des Kaisers und der Kaiserin von Russland nachlesen.
Das Aktenmaterial der Stadt Schwandorf ist nun bis 1945 erschlossen und kann den geschichtsinteressierten Bürgern zur Verfügung gestellt werden. Die stetig steigenden Besuchstage (Summe der Besucherzahlen an allen Öffnungstagen) von ca. 200 pro Jahr bestätigen ganz eindrucksvoll die Akzeptanz des Stadtarchivs, in dem es möglich ist, die eigene Geschichte zu erforschen.

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Aufgaben in den nächsten Jahren

Die Geschichte endet aber nicht im Jahre 1945. Somit muss in den nächsten Jahren versucht werden, die Überlieferung zur mittlerweile schon wieder über 60-jährigen Geschichte nach 1945 in eine Ordnung zu bringen. Da über viele Jahre kein Hauptverantwortlicher für das Stadtarchiv zuständig war, befinden sich umfangreiche Bestände der Nachkriegsjahre im Besitz der Stadt. Es gab niemanden, der die Entscheidung über eine Aussonderung von Aktenmaterial getroffen hätte. Es wurden somit auch nach 1945 solche Materialien aufgehoben, welche bei Besetzung mit einer Fachkraft in den 60er Jahren nach Ablauf der Aufbewahrungsfristen richtigerweise in großen Teilen dem "Reißwolf" zugeführt worden wären.
So warten im Stadtarchiv Schwandorf Hunderte von Aktenordnern darauf, gesichtet und erschlossen zu werden. Als Schwerpunkte dieses noch nicht aufgearbeiteten Aktenmaterials sind die Flüchtlingsbewegung, die Versorgung der Bevölkerung nach 1945 und der Wiederaufbau zu sehen.

Zu den bereits registrierten Aktenbeständen zählt das Archivgut der ehemalig selbstständigen Gemeinden, welche im Rahmen der Gebietsreform der Großen Kreisstadt Schwandorf zugeschlagen wurden.
Diese 13 ehemaligen Gemeinden (Breitenbrunn bis Wiefelsdorf) haben über 150 Jahre ihre eigene Geschichte geschrieben und diese mehr oder wenig umfangreich dokumentiert. Für jede dieser Gemeinden konnte bereits ein eigenes Findbuch erstellt werden. Das Aktenmaterial dieser Gebietskörperschaften unterscheidet sich jedoch nach Art und Umfang. So kann der Archivbenutzer z. B. bei der Gemeinde Wiefelsdorf auf ca. 150 Einzelakten und bei der Gemeinde Dachelhofen sogar auf über 1.400 Akteneinheiten zurück greifen.
Bei manchen Gemeinden (Neukirchen, Fronberg und Klardorf) liegt eine fast lückenlose Überlieferung der Schülerlisten der jeweiligen Schulen vor. In Neukirchen z.B. reichen diese Schülerlisten bis in das Jahr 1863 zurück und stellen so einen schnellen und relativ einfachen Einstieg in die Familienforschung dar.
Bei dem Aktenmaterial der ehemaligen Gemeinde Krondorf sind besonders die Einwohnerbogen als Besonderheit zu nennen. Bei machen dieser Bogen reicht das Geburtsjahr der darauf eingetragenen Personen bis Ende des 18. Jahrhunderts zurück. Alleine bei den bereits angesprochenen ehemaligen Gemeinden konnten über 8.000 Akten verzeichnet werden.
Von den vielen Nachlässen im Stadtarchiv ist besonders der des Herrn Dr. Georg Klitta zu nennen. Herr Dr. Klitta hat sich über Jahrzehnte mit der Geschichte von Schwandorf und der näheren Umgebung intensiv befasst und viele Kopien von Urkunden aus überregionalen Archiven (Staatsarchive, Kirchenarchive) gefertigt. Die Erschließung dieses umfangreichen Bestandes wird allerdings noch einige Zeit in Anspruch nehmen, da dieser Nachlass durch mehrere Umzüge nur unzureichend vorsortiert ist und die ursprüngliche Ordnung von Herrn Dr. Klitta leider nicht mehr existiert.

In den letzen Jahren konnten einige umfangreiche Sammlungen (Postkarten, Luftbilder, Stadtansichten) erworben werden, auf welche gerne und oft zurück gegriffen wird.

Die umfangreichen Zeitungsbestände (ca. 1.200 Bände) im Stadtarchiv geben Auskunft über die Ereignisse in der Welt, erlauben uns aber auch einen Einblick in die Stadtgeschichte durch die vielen lokalbezogenen Beiträge der letzten 100 Jahre (die Zeitungen im Stadtarchiv reichen bis 1908 zurück). Manche dieser Ausgaben (Zeitungen) konnten leider den Archivbenutzern wegen des schlechten Erhaltungszustandes nicht vorgelegt werden. Seit 2009 verfügt das Stadtarchiv Schwandorf über einen DIN-A1-Buchscanner, somit können auch jetzt problemlos alte gebundene Zeitungen gescannt werden. Durch diesen Scanner ist es möglich, sowohl die Bedürfnisse der Archivbenutzer, Einsicht und Kopie in die Archivale, als auch die Aufgabe eines Archivs, Erhaltung der historischen Bestände, zu gewährleisten.

Im Jahre 2008 konnten die fehlenden Bände "Für's traute Heim", "Traute Heimat" und "Heimaterzähler" als Heimatbeilage für das Schwandorfer Tagblatt und die Burglengenfelder Zeitung ergänzt werden. Diese Ausgaben reichen von 1926 bis 1973 und beinhalten viele historische Abhandlungen der mittleren und nördlichen Oberpfalz.

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Räumlichkeiten im Stadtarchiv

Von einer Beengtheit der Dienstzimmer der Mitarbeiter der Registratur und des Archivs kann keine Rede mehr sein. Die vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verfügen über ausgezeichnete Räumlichkeiten und über eine gute EDV-Ausstattung. Den Archivbenutzern kann ein Besucherraum angeboten werden, in dem man ungestört lesen und recherchieren kann.
Das Magazin (ca. 200 m²) ist mit einer Kompaktusregalanlage ausgestattet, die in ihren Abmessungen auf säurearme Archivschachteln ausgelegt ist. In diesen Schachteln ist jede Akte in säurefreie Archivdeckel eingebettet, um somit auch eine Langzeitarchivierung gewährleisten zu können.
Ein Archiv wird immer vor neue Herausforderungen gestellt werden, auch im Zeitalter von CD und DVD gilt es ganz besonders, sich den veränderten Situationen zu stellen, mit der "Zeit zu gehen", um unseren Nachfahren unsere Geschichte lesbar und benutzbar zu hinterlassen. Unser Blick und unser Tun ist in die Zukunft gerichtet. Die Große Kreisstadt Schwandorf ist auf dem besten Wege, nach einer mehr als hundertjährigen "Durststrecke im Stadtarchiv" den Anschluss an andere Archive zu schaffen. Vermutlich ist dieser Anschluss mit der Neuschaffung der Archivräume, aber auch der personellen Besetzung bereits gelungen.

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Beständeübersicht

3.300  Urkunden und Kaufverträge, darunter auch Straßengrundabtretungen
30.000  Akten der Stadt Schwandorf
8.000  Akten der 13 ehemaligen Gemeinden
30.000  Baupläne, beginnend ab 1880
85.000  Einwohnerkarteien
1.200  Bände der jeweiligen Tageszeitungen
3.000  Gesetz- und Verordnungsbücher
42.000  Einträge über die Beschlüsse des Stadtmagistrats, bzw. Stadtrats
2.000  Postkarten von Schwandorf und der näheren Umgebung
20.000  Fotos aus dem Nachlass des Herr Albert Lotter
2.000  Dias Nachlass Albert Lotter
5.000  Fotos Bestand Stadt und Nachlässe
1.000  Luftbildaufnahmen von 1938 beginnend
 
weitere umfangreiche Nachlässe und Sammlungen
 
Geburten- Heirats- und Sterbebücher mit Sammelakten.
(Da ein Großteil dieses Aktenmaterials noch im Standesamt aufbewahrt wird, ist hier nur ein begrenzter Zugriff möglich)

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Anmerkungen:

(1) Rainer Scharf, Die Herrschaftsgeschichte Schwandorfs von den Anfängen bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. In: Schwandorf in Geschichte und Gegenwart. Stadtchronik, hrsg. von der Stadt Schwandorf, Bd. 1: Chronologie, Schwandorf 2001, Seite 51-72, hier Seite 51
(2) [KARL THEODOR VON] Heigel, Aus städtischen Archiven Altbayerns. In: Archivalische Zeitschrift 1 (1876) Seite 230 - 245, hier Seite 238f.




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